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Zweisprachige Kindergarten- und Vorschulerziehung in der Oberrheinregion

Plenarsitzung vom 10. Juni 2005

Der Oberrheinrat, in seiner Plenarsitzung am 10. Juni 2005 und auf Antrag der Kommission Kultur, Jugend, Ausbildung,

  1. unterstreicht die Zielsetzung, die Oberrheinregion zu einer Region zu entwickeln, in der die Bevölkerung die Sprache des Nachbarn Deutsch bzw. Französisch zugleich beherrscht,
  2. sieht als eine wichtige Grundlage dafür an, flächendeckend in der Oberrheinregion die Vermittlung der Sprache des Nachbarn Deutsch bzw. Französisch in Kindergärten und Vorschulen anzustreben,
  3. spricht sich mit Nachdruck dafür aus, dass der Begegnung mit der Sprache des Nachbarn in Kindergarten und Vorschule eine Weiterführung des Unterrichts in dieser Sprache in der Grundschule folgt,
  4. sieht im Hinblick auf die zweisprachige Kindergarten- und Vorschulerziehung die bisherigen Anstrengungen in der Region Elsass, aber auch in Baden und in der Süd-/Südwestpfalz als guten Ausgangspunkt für die angestrebte Weiterentwicklung,
  5. spricht sich dafür aus, im Kanton Jura die bisherigen Erfahrungen mit der Vermittlung der Sprache Deutsch im Kindergarten-/Vorschulbereich fortzuführen und zu erweitern und empfiehlt den deutschsprachigen Kantonen der Nordwestschweiz, eine Begegnung mit Französisch bereits im Kindergarten zu erproben,
  6. hält die Begegnung mit der Sprache des Nachbarn auch für wichtig, um neben der Sprache auch die Kultur und Lebensweise der Nachbarregion zu vermitteln und so einen wichtigen Beitrag zum Zusammenwachsen der Oberrheinregion zu leisten,
  7. unterstreicht die positiven Erfahrungen, die der Einsatz von muttersprach¬lichen Erzieherinnen/Erziehern für die Vermittlung der Sprache des Nachbarn bedeutet; er regt an, dort, wo eine muttersprachliche Betreuung in der Sprache des Nachbarn nicht zur Verfügung steht, zumindest eine Sensibilisierung für Sprache und Kultur des Nachbarn in Kindergarten/Vorschule sicherzustellen,
  8. spricht sich dafür aus, dass die Regionen, Länder und Kantone sowie die Departements und die zuständigen Gebietskörperschaften die Träger bei den Kosten für den Einsatz zusätzlicher Kräfte finanziell unterstützen,
  9. spricht sich dafür aus, dass die Regionen die Entwicklung geeigneter Unterrichtsmaterialien fördern,
  10. spricht sich für stärkere Anstrengungen zur Ausbildung geeigneter Lehrkräfte und für einen Austausch von Pädagoginnen und Pädagogen aus und regt dazu auch eine stärkere Zusammenarbeit der Universität Landau und des Centre de formation aux enseignements bilingues de l'IUFM Guebwiller an,
  11. regt an, grenzüberschreitende Kooperationen von Kindergärten und Vorschulen, wie zwischen Baden-Baden und Seltz, zu forcieren,
  12. fordert die Regionen auf, die grenzüberschreitende Anerkennung von Erzieherinnen, z.B. für französische Lehrkräfte für eine Beschäftigung als Erzieher in Deutschland, zu erleichtern und in Deutschland einen problemlosen Übergang zwischen den einzelnen Bundesländern sicherzustellen,
  13. spricht sich dafür aus, wissenschaftliche Erkenntnisse über eine hohe Aufnahmefähigkeit von Kindern im Kindergartenalter für Fremdsprachen stärker zu nutzen und zu publizieren, um Besorgnisse von Eltern im Hinblick auf eine Überforderung der Kinder abzubauen.

Der Oberrheinrat richtet diese Resolution an

  • die Landesregierungen Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg,
  • die Préfecture de la Région Alsace und die Präfekturen der Departments Bas-Rhin und Haut-Rhin,
  • die Regierungen der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Aargau, Solothurn und Jura.

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